Stuhlkarten - Tickets du Chaise - Tickets du Promenade - Jardin d’Acclimatation

Die Bezeichnung Stuhlkarten ist heute leider in Vergessenheit geraten. Die Idee ist einfach:

Kunden sollten zufrieden und ohne Hast ihre Einkäufe verrichten können. Jeder, der heute in ein großes Kaufhaus geht, weiß daß spätestens nach einer Stunde eine gewisse Müdigkeit eintritt. Um zu vermeiden, daß die Kunden das Kaufhaus aufgrund ihrer Erschöpfung verließen und wieder nach hause fuhren, wurden Sitzgelegenheiten aufgestellt. Das konnten Stühle und Sessel in einem abgetrennten Bereich des Kaufhauses sein, aber auch Bänke vor den Kaufhäusern, teilweise in kleinen Gärten oder Parks, oft sogar mit Musikdarbietungen.

Damit jedoch nur Kunden des eigenen Kaufhauses und diese auch nicht zu lange auf den hauseigenen Sitzgelegenheiten Platz nahmen, wurden die sogenannten Stuhlkarten verkauft. Für 10 Centimes konnte eine solche Karte im Kaufhaus oder bei Konzessionären erworben werden. Bei Musikdarbietung wurde in der Regel ein Preis von 20 Centimes verlangt. Saß man auf seinem Platz, kam in Zeitabständen von 15-20 Minuten ein Kontrolleur und entwertete die Karte. Hatte man keine unentwertete Karte vorzuweisen, wurde man höflich gebeten den Stuhl für andere Kunden frei zu machen.

Um sicher zu stellen, daß nicht mehr Karten als Sitzgelegenheiten verkauft wurden, trägt jede Stuhlkarte eine fortlaufende Nummer. Eine Entwertung der Karte durch Lochen unterschiedlichster Formen (Kreise, Dreiecke, Vierecke etc.) stellt bei diesen Karten keine Wertminderung dar.

Stuhlkarten sind heutzutage extrem selten zu finden, da sie -ebenso wie benutzte Fahrkarten- keinerlei Sammelwürdigkeit besaßen. Auch waren sie viel kleiner als übliche Sammelbilder.

 

 

Parfumerie Martial, Paris - Fauteuils des Promenades (Promenaden-Sitze- 20 Centimes - auf der Rückseite noch eine “Übersicht einiger Preise” für Zahnpasten, Echt Kölnisch Wasser und Seife zu Sonderpreisen von Fr.1.90 anstatt 3.00 usw. (ca. 1885)

Grands Magasins Du Printemps - Paris - drei verschiedene Karten aus der Serie “Japaner”, eine davon doppelt, jedoch mit unterschiedlicher Rückseite: einmal ein Angebot über einen Schirm mit echtem Bambusstock, eins mit der Werbung für den Sommerschlussverkauf. (ca. 1880)

Maison de la Belle Jardiniere - Paris - eine Stuhlkarte passend zur ähnlichen Eier-Serie (siehe bei La Belle Jardiniere). Hier ist die Stuhlkarte größer als die übliche Sammelkarte. Daher gibt es diese Serie noch relativ häufig. (ca. 1890)