Heribert Illig

Heribert Illig vertritt die Meinung, unsere derzeit gebräuchliche Zeitrechnung wurde durch Manipulation künstlich in die Länge gezogen. In mehreren Büchern versucht er zu beweisen, daß ganze Jahrhunderte durch die Römische Kirche nachträglich in die Geschichte eingefügt wurden und das Jahr 2000 eigentlich erst 1703 sein dürfte.

Der Grund dafür klingt einfach: Wenn ich einen Vorfahren erschaffe, der mir einen gewaltigen Besitz vermacht und ich dazu noch die Schenkungsurkunden vorweisen kann, bin ich legaler Eigentümer.

Illig zeigt auf, daß Karl der Große eine Fälschung seiner unmittelbaren Nachfolger ist, nahezu alle “authentischen” Urkunden konnten als nachträglich angefertigte Fälschungen identifiziert werden. Viele der Werke von Karl dem Großen wurden zu vollkommen anderen Zeiten vollbracht.

So wird beispielsweise anhand von Vergleichen zwischen Baustilen in Europa und Byzanz gezeigt, daß Merkmale byzantinischer Bauwerke über lange Zeit hinweg in Europa kopiert wurden. Plötzlich jedoch brach in Europa eine Zeit an, in der nahezu nichts gebaut wurde. Knapp 300 Jahre später baute man in Europa wieder teilweise großartige Bauwerke – in exakt der gleichen Bauweise wie vor 300 Jahren.

In Byzanz waren mittlerweile andere Baustile entwickelt worden. Ähnliche Bauwerke wurden in Europa erst 300 Jahre nach byzantinischem Vorbild gebaut.

Ein weiterer Grund für das Einfügen von zusätzlichen 297 Jahren war der Wunsch, während des Beginns des letzten Jahrtausends vor dem Weltuntergang amtierender Herrscher zu sein.

Folgt man der damals gültigen Lehre, daß die Welt 5000 Jahre vor Christus erschaffen wurde, und setzt man 1000 Jahre mit einem Schöpfungstag gleich, so wurde Jesus Christus am Beginn des 6. Tages geboren. Daraus konnte geschlußfolgert werden, daß mit dem Jahr 1000 der letzte Tag in der Schöpfungsgeschichte beginnen würde. 1000 Jahre später wäre der Weltuntergang zu erwarten. Um in den Genuß der Regentschaft zu diesem erhebenden Datum zu gelangen, fügte man die schon erwähnten 297 Jahre ein und stand somit auf einer Höhe mit Jesus Christus.

 

Dies alles klingt sehr weit hergeholt und unglaubwürdig. Wer es jedoch schafft Bücher wie “Das erfundene Mittelalter” oder “Wer hat an der Uhr gedreht” bis zum Ende durchlesen, der wird die Welt zukünftig mit kritischeren Augen betrachten. Und vielleicht kommt ja der große Millenium-Knall erst, wenn unser Kalender das Jahr 2297 schreibt. Warten wir’s ab...

Im Übrigen verteten andere Chronologiekritiker wie Uwe Topper und Francesco Carotta durchaus Meinungen, die der von Heribert Illig völlig oder zumindest teilweise widersprechen. Man darf gespannt sein, was neues herausgefunden wird.